Sonntag, 25. Juni 2017

Stoffspielereien in schwarz-weiß: Entfärben mit Bleichgel

Als Lucy für die Juni-Stoffspielereien das Thema "schwarz-weiß" vorgeschlagen hat war ziemlich schnell klar, was ich endlich mal in Angriff nehmen wollte:
Vor zwei Jahren habe ich in Sabines Siebdruckkurs einen Pepitastoff im Degradé schwarz abschattiert. Ich wollte das schon lange mit Entfärberpaste etwas spannender gestalten und habe dann letzte Woche ein paar Versuche mit positiv/negativen Effekten ausprobiert.
Assymmetrisch war spannender als eine gleichmäßige Verteilung, aber sollte ich Punkte oder lieber Blüten drucken? 
Meine Freundin Heike meinte: "Mach beides. Wie aus den Punkten die Blüten werden." 
Ja klar, dazu eine Größenentwicklung, das sollte gut hinkommen.

Die flächigen Formen habe ich aus Freezerpapier ausgeschnitten und durch Bügeln auf dem Stoff fixiert.
Die Bleichpaste ist ganz einfach herzustellen, wie das geht hat Sabine hier sehr gut beschrieben.
Ich habe die Farbe und das Bleichgel mit einem Schaumstoffstempel aufgetupft, das geht einfach und schnell.
Es ist magisch, wie beim späteren Bügeln das Schwarz verschwindet und der ursprüngliche Stoff zum Vorschein kommt. Ein kurzes Video vom Bügeln habe ich am Freitag bei Instagram hochgeladen.
Es sind nicht nur flächige Entfärbungen möglich, auch feinere Linien werden prima abgebildet. Hier habe ich ein Game of Thrones - Motiv mit einem Sieb auf selbstgefärbten Zeltstoff gedruckt. Nach dem Bügeln bleicht das Targaryen-Wappen toll heraus und wird sicher zum Serienstart zu einer Tasche verarbeitet:
Die meisten gekauften Shirts oder Stoffe lassen sich übrigens mit dem Gel entfärben, eine Ausnahme macht allerdings Dekaprint. Das bleibt stabil.
(Es lässt sich der Paste übrigens beimischen, so bekäme man farbig-helle Drucke auf dunklem Grund. Aber das ist ein anderes Thema)

Zurück zu meinem Stoff: Er wurde zu einem ultragemütlichen Leinenkleid vernäht.
OK, etwas grauer Sack, aber egal. :)
Genau das Richtige für die derzeitigen Temperaturen um die 30 Grad.
Hier ist ganz gut zu sehen, was die Musterung ausmacht: Mit den Formen wird es viel spannender als beim ursprüngliche Degradé.
Und jetzt warte ich gespannt, was die anderen Stoffspielerinnen so ausprobiert haben.
Lucy hat im Nahtzugabe-Blog alles gesammelt.

Im Juli und August ist Sommerpause,
danach geht es bei Siebensachen weiter, da könnt ihr euch von "der Natur inspirieren" lassen.

Schnitt: Simplicity (Neue Nähmode) 2-17
Entfärbepaste und Farben aus dem Jeromin-Shop
Stoff: Leinen vom Stoffmarkt

Donnerstag, 22. Juni 2017

Simplicity 2 - 17, das Vokuhila-Kleid

So ganz langsam mache ich meinen Frieden mit den amerikanischen Schnitten.
Bisher hat es mich gewaltig gestört, dass die Schnittteile die Nahtzugaben enthalten, mir waren die Zugaben für meinen Nähstil viel zu üppig- gerade beim Verarbeiten von flutschigen Stoffen tue ich mir mit großer Zugabe schwer.
Die Lösung für mein Problem ist so profan, das hätte ich längst mal machen sollen: Ich schneide die Zugabe einfach ab. OK, doppelte Arbeit bei der Vorbereietung, aber egal.
Denn die Tochter wollte so gern das Titelmodell der Neuen Nähmode. Und natürlich erfülle ich ihr gern Kleiderwünsche!
Den Stoff haben wir letztes Jahr zusammen auf dem Maybachufer-Markt gekauft. Das ist ein wirklich schön und schwer fallender Viscosekrepp.
Bein Auflegen des Stoffes und beim Zuschneiden muss man höllisch aufpassen, damit man nicht aus dem Fadenlauf gerät. Aber beim Nähen ist Krepp ein dankbares Material, leicht einzubügeln und fehlerverzeihend.
Und Viscosekrepp fällt schön, das Kleid schwingt bei jeder Bewegung mit.

Den etwas förmlichen Stoffgürtel des Titelmodelles haben wir durch einen Vintage-Schatz aus dem Fundus meiner Mutter ersetzt. Die Silberschnalle passt so zu den kleinen Punkten.

Zudem habe ich das komplette Oberteil mit einem stabilen Mesh-Stoff gedoppelt, Belege versuche ich in der Regel zu vermeiden.
Der leichte und formstabile Mesh verhindert zusätzlich das Ausleiern des Auschnittes und gibt dem Oberteil etwas Substanz von innen heraus.

Perfekt für den Sommer!

Schnitt: Simplicity 2-17, Modell 22
Stoff: marineblauer Viscosekrepp vom Maybachufer.
Futter: Mesh, gibt es in vielen Qualitäten bei Bennos (meinem Lieblingsstand!!) auf dem Stoffmarkt.

Und hey- der marineblaue Stoffrest reicht noch für ein Oberteil für mich!

Sonntag, 28. Mai 2017

Stoffspielereien: Denim (Ein Jeanskleid mit Chenilletechnik)

Im Mai soll Denim im Zentrum der Stoffspielereien* stehen.

Und weil das hier ein etwas längerer Beitrag wird
kommen hier die Experimente meiner Mitstreiterinnen zuerst
(bitte mailt mir einen Link oder kommentiert kurz wenn ich euch verlinken soll):

  • Ines hat eine Tunika mit einer gepatchten Jeanspasse und dekorativen Manschetten versehen
  • Christa verwebt schmale Denimstreifen
  • Ute arbeitet mit den Embellisher und patcht die Denimstücke in Kurven.
  • Suschna bearbeitet malerische Miniaturen
  • Annelies bestickt kleine Stoffstücke mit Kettstich
  • Karen hat schon länger ein Etui mit Chenilletechnik genäht.
  • Lucy upcycelt einen Rock mit Boro-Stickerei
  • Ute als Jeansspezialistin hat ganz viele Techniken neu probiert und alte Einträge verlinkt- klickt euch mal durch!

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Jeans sind ja eigentlich überhaupt nicht meine Sache.
Ich habe in den 80ern meine Jeansphase (gern in Kombination mit Parka und Adidas Allround) abgeschlossen und erst im letzten Jahr wieder ein paar superelastisch-bequeme Stretchjeans gekauft.
Jeans fand ich schrecklich banal, bei Elternabenden habe ich mir jahrelang einen Spaß draus gemacht die Jeansquote zu ermitteln- sie lag meist bei über 90%.
Da entwickeln Designer Jahr für Jahr Kollektionen und was kommt auf der Straße an? Jeans.
Gerne irgendwo im nahen oder fernen Osten aufwändig-giftig auf alt getrimmt und bearbeitet.
Nein, das war nicht mein Ding.

Dabei ist Denim als Material echt spannend.
Ihr kennt das sicher: Beim klassischen Denim ist die Kette meist indigogefärbt, sie ist außen blau und hat einen weißeren Kern in der Mitte des Fadens. Die Farbe wäscht sich bei Reibung relativ leicht aus, das gibt den geschätzten Used-Look.
Der Schuss ist ungefärbt, guckt mal:


Diese Unterschiedlichkeit wollte ich gern bei meinen Experimenten in den Mittelpunkt stellen.
Ich habe auf meinen Untergrund (ein stretchig-dünner Jeans) verschiedene Denimstoffe ohne Elastan aufgenäht und wie bei der Chenilletechnik in Streifen geschnitten. Dabei sollten je nach Schneiderichtung nach dem Waschen entweder die Kett oder die Schussfäden den Fransensaum bilden.
Soweit die Theorie- da kam dabei heraus:


Praktisch hat mir das nicht mehr so gut gefallen- sobald man genau in Kett- oder Schussrichtung schneidet lösen sich hässliche lange Fäden. Man muss also tendenziell im schrägen Fadenlauf bleiben.

Für den Brustbereich und am Ausschnitt habe ich also die Chenilleschichten als Ganzes im schrägen Fadenlauf ausgeschnitten und mit 1 cm Abstand aufgesteppt. Mit dem Chenilleschneider habe ich dann zwischen den Schichten eingeschnitten ohne die Trägerschicht zu verletzen.
Auf dem Bild ist im Brustbereich schon geschnitten, im Halsbereich ist der Stoff noch komplett:


Der Wechsel der verschiedenen Fäden kommt nach dem Waschen und Trocknen gerade im Halsbereich ganz gut heraus, im Vergleich zu dem anders applizierten rückwärtigen Ausschnitt ist das viel lebendiger ohne dass es die hässlichen langen Ziehfäden gibt.


Für die lange Strecke im Rockteil und an hinteren Hals habe ich nämlich schmale Streifen im schrägen Fadenlauf geschnitten. Dazu habe ich mit temporärem Sprühkleber einen stabilen unbehandelten Denim auf einen weichen vorgewaschenen Jeans geklebt. Mit zwei fixierten Lagen tut man sich beim späteren Aufsteppen leichter.


Das Aufsteppen geht dann ganz schnell, man muss bloß an der sorgfältig ausgerichtenen ersten Linie anlegen. Ich habe zum Aufsteppen ein helles 30er Jeansgarn genommen, das lässt sich mit der Topstitchnadel gut verarbeiten.


Ich habe ein schlichtes Etuikleid genäht. Die Hals- und Armabschlüsse sind nur mit der Overlock versäubert und unter einem Chenillstreifen versteckt. Der Brustbereich ist mir jetzt fast etwas zu breit, ich mag aber den zum Rücken hin tiefer gesetzten Bogen sehr gern.


Durch den Elastananteil ist das Kleid bequem, ich werde bei Gelegenheit auch noch ein zweites nähen, dann möchte ich gern die Kreiselemente dieser Nähprobe verwenden:


Stoff: Jeanscoupons vom Stoffmarkt
Schnitt: Etuikleid auf Basis eines alten Burdaschnittes aus dem Jahr 2003. Ich habe vorab ein Probekleid genäht und auf die Schnittführung angepasst.

Am 25.6. geht es bei Lucy (Nahtzugabe) weiter, das Thema ist Schwarz und Weiß
Im Juli und August ist Sommerpause
Im September sammelt Siebensachen zum Thema "Von der Natur inspiriert"
Im Oktober geht es bei Ute mit "Fäden auf Farbe" weiter.


*Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.



Freitag, 12. Mai 2017

Elle- eine Tunika aus handbedrucktem Leinen

Es gibt Projekte, die kann man nicht planen, die laufen einem quasi zu.
So war es mit dieser Tunika....

Sabine Jeromin hat mich im Vorfeld der Nadelwelt gefragt, ob Stoffcoupons besser 2 m oder 2,5 m haben sollten. Nach kurzem Überlegen habe ich ihr zu der größeren Variante geraten und neugierig gefragt, was sie denn Neues hätte.
"Leinen" meinte sie knapp. "Ich glaube das ist toll für Kleidung."
"Soll ich dir ein Ausstellungsstück nähen?" habe ich sie dann gefragt.
Und zwei Tage später hatte ich den Stoff in den Händen.

Das Leinen hat etwas Stand, ist dichter gewebt und gleichmäßiger als die Qualitäten die ich vom Stoffmarkt kenne. Das war perfekt für eine Tunika- so etwas passt stilistisch auch gut an den Stand von Jeromin. Und da fiel mir der neue Schnitt von Elle Puls ein...
Ich habe Elke gefragt ob ich den Schnitt ein paar Tage vor der Veröffentlichung haben könnte, die Messe stand ja direkt vor der Tür und fiel genau mit dem Release des Schnittes zusammen. Elke war dann so nett und hat mir die Betaversion gemailt.

Die Tochter hat den Schnitt geklebt, ich habe zugeschnitten und dann das Layout grob mit Papier platziert.
Als Muster habe ich einen gestrichelten Kreis genommen, die Schablone habe ich letztes Jahr im Vorfeld des Jerominkurses entwickelt und Sabine zur Verfügung gestellt. Das lässt sich ganz einfach drucken, ist fehlerverzeihend und durch verschiedene Überlagerungen kommt das Motiv immer wieder anders heraus.

Platziert habe ich die Kreise so, dass die schöne verdeckte Knopfleiste frei bleibt und sich das meiste am Saum abspielt. Auch die meist hochgeschlagene Innenseite der Manschette ist gemustert, die Ärmel selbst sind unbedruckt.
Hier seht ihr die schönen Details die sich Elke für den Schnitt ausgedacht hat- ich mag vor allem die aufwändige Saumverarbeitung mit Formbeleg. Da lohnt sich die Arbeit und es macht richtig Freude wenn das nach der guten Anleitung so perfekt herauskommt.
Elke lässt gnadenlos viel heften, das ist sehr sympathisch. Ich habe sogar noch mehr von Hand genäht als sie vorgeschlagen hat und z.B. den Kragen von innen mit Hand verstürzt. Ich finde ja grundsätzlich, dass etwas Hingabe an ein Kleidungsstück belohnt wird.
Slow Sewing- das scheint auch Elke wichtig zu sein.
Als dann kurz vor der Nadelwelt noch die Sonne herauskam war mein Glück perfekt: Meine fotografisch begabte Nachbarin hatte Zeit und hat noch ein paar Bilder gemacht.
(Und Heike hat mich am Jerominstand mit dem Handy geknipst. ☺)
So fühlt sich diese Tunika nach einem echten Gemeinschaftsprojekt an:
Sabines Stoff, Elkes Schnitt, die Tochter hat geklebt, die Freundinnen fotografiert.
Und ich musste nur noch nähen :)
Vielen Dank an alle!

Schnitt: Tunika Elle von Elle Puls, Normalgröße um 6 cm gekürzt.
Stoff: reines Leinen von Jeromin (10 Euro/m)
Siebdruckschablone in zwei verschiedenen Größen: hier

Die Tasche ist eine Carpetbag in Bürotaschengröße aus altem handgewebten Leinen, mit der großen Schablone bedruckt und wachsimprägniert.

Sonntag, 30. April 2017

Stoffspielereien: Ein zerschnittener Gobelin

Auf der Suche nach Inspirationen für Suschnas Stoffspielereien zum Thema seltene Techniken habe ich alte Burdas durchgeblättert. Ein Thema ist seit den 60ern bis weit in die 80er immer wieder präsent: Gobelinstickereien.

Kennt ihr jemanden, der das heute noch macht? Ich nicht.
Zwar scheint das Thema nicht ganz ausgestorben zu sein wie Constanze auf der H+H beobachtet hat. Aber mit Kreativität hat nicht so viel zu tun und zeitgemäß sind die meisten Motive auch nicht.

Auch hier im Haus finden sich als Familienerbe einige gruselige Gobelins mit ländlichen Motiven. Einfach wegschmeißen konnte ich das nie, da steckt einfach zu viel Arbeit eines lieben Menschen drin.

Inspiriert durch eine Überdosis "Project Runway" in den Osterferien wollte ich auch gern "unconvenitional materials" verarbeiten und dazu eignet sich ein seltsamer Gobelin doch prima, oder?
Da ich aber nicht nur auf Bühnenwirksamkeit aus bin habe ich erst ein paar Waschversuche gemacht- mit ziemlich ernüchterndem Ergebnis. Schräg geschnitten wie bei der Blüte geht gar nicht, das schaut nach der Wäsche ziemlich räudig aus. 
Mit dem Fadenlauf das Stramins geschnitten und mit der Overlock versäubert funktioniert das Applizieren aber ganz gut:


Ich habe dann eine Weste zugeschnitten, einen altbewährten Schnitt eines Kleidungsstückes, das ich in den letzten Wochen wieder sehr gern getragen habe.


Langwierig war dann das Layout der versäuberten Patches: Ich habe immer mal wieder anders arrangiert, korrigiert und Dinge wie den Streifen am Reißverschluss dann doch wieder verworfen. Aber irgendwann muss man sich auch mal entscheiden, zumal es dann schon Freitagnacht war......



Der Stoffrest ist aus Wolle und stammt noch aus meiner Zeit im Giesswein-Atelier, er dürfte also etwa 25 Jahre alt sein. Der Gobelin ist noch älter und den Zweiwege-Reißverschluss habe vor ewigen Zeiten aus einer Strickjacke herausgetrennt. 
Hach, solche Projekte sind so befreiend.

Gestern habe ich dann die Weste genäht, fotografiert und gleich getragen.
Das Layout erinnert mich jetzt irgendwie an die Petersburger Hängung, das ist mir aber gerade eben erst auf den Bildern aufgefallen.


Das hat wieder viel Spaß gemacht, ohne den monatlichen Stoffspielereien-Termin hätte ich das wohl nicht so genäht. Suschna sammelt heute alle Beiträge, vielen Dank für die Anregung!

Im Mai werde ich Gastgeberin ein, die Inspiration soll diesmal von einem Material kommen: Denim.
Lasst euch von den vielen Jeansschattierungen zu neuen Farb- und Materialkombinationen inspirieren!

Donnerstag, 27. April 2017

Wachstuch selbstgemacht: 5 Methoden einen Stoff zu beschichten


Wachstücher gibt es inzwischen ja in vielen Farben und Mustern, seien es die coolen beschichteten Leinen von Kokka oder die wunderbar weichen amerikanschen laminated cottons. Eigentlich sollte da ja was für jeden Geschmack dabei sein, aber manchmal ist es aber trotzdem interessant, Stoffe selbst zu beschichten. Gerade bei selbstgedruckten Stoffen ist das auch die einzige Möglichkeit sie schmutz- und wasserabweisend zu bekommen.

Ich habe in den letzten Monaten ein paar Sachen ausprobiert die ich euch im Überblick vorstellen möchte:


1.) Wachsen mit dem Block

Wer schon mal eine Barbourjacke nachgewachst hat kennt das vielleicht: Ein Wachsblock mit dem man über den Stoff reibt und das dann einbügelt.
Bei einer Jacke ist das etwas kniffliger an den Nähten, aber bei flachliegendem Stoff geht das kinderleicht und schnell. Ich habe das preisgünstigere Batikwachs im Block genommen und über den Stoff gerieben bis eine feine weiße Schicht sichtbar war. Die habe ich dann mit dem Fön aufgeschmolzen. Wenn man den Vorgang zwei oder drei Mal wiederholt wird der Stoff richtig wasserabweisend.
Geeignet ist die Technik für eher kräftige Stoffe, ich habe hier einen selbstgefärbten Canvas genommen. Die Haptik wird etwas steifer, ist aber für Jacken noch gut geeignet.
Nach der Wäsche ist die Wachsschicht fast weg, dann müsste nachgewachst werden.

2.) Wachsen mit dem Pinsel

Man kann die Mischung aus Paraffin und Bienenwachs auch selbst mischen, ich habe dazu Granulat geschmolzen. Passt auf die Temperatur auf, am sichersten erhitzt ihr die Mischung im Wasserbad. Ich habe auf 2 Teile Paraffin 1 Teil Bienenwachs genommen.
Die Flüssigkeit wird dann auf den Stoff gestrichen und bei niederiger Temperatur mit einem alten Bügeleisen eingebügelt. (Hartgesottene User bei instructables geben das bei größeren Mengen auch in den Trockner, aber das habe ich mich nicht getraut.)

Die Technik ist für alle kräftigen Stoffe geeignet, da aber viel Wachs weit in die Faser dringt wird das Material recht steif. Gut geeignet ist das tiefere Wachsen für Taschen. Das ist ein richtig gutes Material für coole Männerbackpacks!


3.) Odicoat


Odicoat ist eine Beschichtung die mit einem Spachtel aufgetragen wird.
Wie das genau geht wird im Produktvideo gut erklärt.
Ein paar Sachen möchte ich noch ergänzen:

  • Ich würde den Stoff immer aufpinnen da sich der Stoff beim Bespachteln gern verzieht. Achtet darauf dass alles fadengerade liegt wenn ihr der Stoff zum Trocknen beiseite legt.
  • Mir reichen zwei Beschichtungen gut aus.
  • Dünneren Satin haben wir beim Jeromin-Siebdruckkurs mit transparentem Medium vorbehandelt, dann saugt er sich nicht so voll und der textile Charakter bleibt auch nach der Beschichtung mit Odicoat erhalten.

Mit Odicoat bekommt man eine Oberfläche die am ehesten an die Hilco-Wachstücher erinnert. Das Material behält seinen textilen Griff und ist auch prima bei 40 Grad waschbar.
Toll für alle leichten Stoffe bis hin zum Leinen.

4.) Beschichtung mit Klarsichtfolie


Von der Methode habe ich in einem Forum gelesen, dort wurde es mit unterschiedlichem Erfolg ausprobiert.
Der Stoff wird glatt ausgestrichen und mit einer Lage Frischhaltefolie bedeckt. Darauf kommt eine Lage Backpapier  über die man dann mit etwas Druck und viel Hitze presst.
Das Aufbügeln ist etwas mühsam, man muss tatsächlich recht lange bei hoher Temperatur auf einer Stelle pressen damit die Folie gut aufschmilzt.
Aber: Die Oberfläche ist zwar abwaschbar, aber nicht strapazierfähig. Knitter lassen sich zwar noch ausbügeln, wenn an aber mit dem Fingernagel stärker über die Oberfläche reibt löst sich die Beschichtung. Auch bei der Verwendung meiner Bügelpresse und hohen Temperaturen habe ich keine guten Ergebnisse erzielt.


Fazit: Bei mir hat das nicht funktioniert.
Auch die leicht sichtbaren Knitter nach dem Wenden haben mich gestört.

5.) Lamifix 

Die aufbügelbare Folien gibt es von Freudenberg oder als Heat-N-Bond von amerikanischen Herstellern.
Ich habe das vor Jahren schon probiert und war sehr enttäuscht. Der Stoff wird total steif, die ausgeprägten Knitter vom Wenden gehen nur mit erneutem Bügeln heraus und waschbar ist das auch nicht.
Einsatzzweck: Tischsets vielleicht?
Oder Utensilos die man nicht wenden muss?


Fazit: 

Odicoat ist eine klare Empfehlung, gefolgt vom Wachsblock bei dickeren Stoffen.
Lamifix ist nur bedingt einsetzbar und die Frischhaltefolie hat den Praxistest bei mir nicht bestanden.

Und: Wenn ihr fertig genähte Teile aus Stoff oder Leder schnell und einfach imprägnieren wollt gibt es natürlich auch noch das klassische Imprägnierspray. Aber das kennt ihr ja sicher. :)


Montag, 3. April 2017

Betta von Frau Elbmarie als Rucksack

Meine liebe Kollegin Sabine hat sich mit Betta eine recht wandelbare Tasche einfallen lassen, sie lässt sich vor allem auch toll als Rucksack tragen. 

Für´s Probenähen war ich diesmal zu spät dran weil mir eine Gipsschiene am Daumen im Weg war, aber ich wollte die Sache mit der Ecke unbedingt ausprobieren- dieses Detail am sonst recht schnell und einfach genähten Rucksack gefällt mir nämlich ausgesprochen gut:
Das Leder habe ich bei der Ecke offenkantig verarbeitet und farbig abgesetzt.
Passend zu den Trägern....
 .....und der Rollschnalle (wie die angebracht wird habe ich hier erklärt):

 Hier ist nochmal die Ecke von innen- ist das nicht ein feines Detail?

Ansonsten ist der Rucksack aus 3 mm starkem Wollfilz, der hat soviel Stand dass ich mir alle Verstärkungen sparen konnte. Auch das Leder der Klappe ist mit 1,5 mm recht dick und musste nicht stabilisiert werden. So ging die Näherei ratzfatz.

Den Rucksack habe ich für den Sohn genäht, er ist nach einer OP gerade noch in Reha. Damit kann er auch mit Krücken die Behandlungsunterlagen und ein kleines Handtuch transportieren.
Denn der Schnitt ist echt männertauglich!

(Allerdings würde ich den Schnitt für Jungs das nächste Mal um 5 cm verbreitern, dann schaut das auch an kräftigen Schultern nicht so zierlich aus.
Aber das ist bei dem wandelbaren Schnitt ja die leichteste Übung.)


Betta könnt ihr noch bis Ende der Woche bei Sabine im Shop kaufen, dann geht Elbmarie in Osterpause.
Gute Reise, Sabine!
Und danke für den schönen Schnitt!