Donnerstag, 27. April 2017

Wachstuch selbstgemacht: 5 Methoden einen Stoff zu beschichten


Wachstücher gibt es inzwischen ja in vielen Farben und Mustern, seien es die coolen beschichteten Leinen von Kokka oder die wunderbar weichen amerikanschen laminated cottons. Eigentlich sollte da ja was für jeden Geschmack dabei sein, aber manchmal ist es aber trotzdem interessant, Stoffe selbst zu beschichten. Gerade bei selbstgedruckten Stoffen ist das auch die einzige Möglichkeit sie schmutz- und wasserabweisend zu bekommen.

Ich habe in den letzten Monaten ein paar Sachen ausprobiert die ich euch im Überblick vorstellen möchte:


1.) Wachsen mit dem Block

Wer schon mal eine Barbourjacke nachgewachst hat kennt das vielleicht: Ein Wachsblock mit dem man über den Stoff reibt und das dann einbügelt.
Bei einer Jacke ist das etwas kniffliger an den Nähten, aber bei flachliegendem Stoff geht das kinderleicht und schnell. Ich habe das preisgünstigere Batikwachs im Block genommen und über den Stoff gerieben bis eine feine weiße Schicht sichtbar war. Die habe ich dann mit dem Fön aufgeschmolzen. Wenn man den Vorgang zwei oder drei Mal wiederholt wird der Stoff richtig wasserabweisend.
Geeignet ist die Technik für eher kräftige Stoffe, ich habe hier einen selbstgefärbten Canvas genommen. Die Haptik wird etwas steifer, ist aber für Jacken noch gut geeignet.
Nach der Wäsche ist die Wachsschicht fast weg, dann müsste nachgewachst werden.

2.) Wachsen mit dem Pinsel

Man kann die Mischung aus Paraffin und Bienenwachs auch selbst mischen, ich habe dazu Granulat geschmolzen. Passt auf die Temperatur auf, am sichersten erhitzt ihr die Mischung im Wasserbad. Ich habe auf 2 Teile Paraffin 1 Teil Bienenwachs genommen.
Die Flüssigkeit wird dann auf den Stoff gestrichen und bei niederiger Temperatur mit einem alten Bügeleisen eingebügelt. (Hartgesottene User bei instructables geben das bei größeren Mengen auch in den Trockner, aber das habe ich mich nicht getraut.)

Die Technik ist für alle kräftigen Stoffe geeignet, da aber viel Wachs weit in die Faser dringt wird das Material recht steif. Gut geeignet ist das tiefere Wachsen für Taschen. Das ist ein richtig gutes Material für coole Männerbackpacks!


3.) Odicoat


Odicoat ist eine Beschichtung die mit einem Spachtel aufgetragen wird.
Wie das genau geht wird im Produktvideo gut erklärt.
Ein paar Sachen möchte ich noch ergänzen:

  • Ich würde den Stoff immer aufpinnen da sich der Stoff beim Bespachteln gern verzieht. Achtet darauf dass alles fadengerade liegt wenn ihr der Stoff zum Trocknen beiseite legt.
  • Mir reichen zwei Beschichtungen gut aus.
  • Dünneren Satin haben wir beim Jeromin-Siebdruckkurs mit transparentem Medium vorbehandelt, dann saugt er sich nicht so voll und der textile Charakter bleibt auch nach der Beschichtung mit Odicoat erhalten.

Mit Odicoat bekommt man eine Oberfläche die am ehesten an die Hilco-Wachstücher erinnert. Das Material behält seinen textilen Griff und ist auch prima bei 40 Grad waschbar.
Toll für alle leichten Stoffe bis hin zum Leinen.

4.) Beschichtung mit Klarsichtfolie


Von der Methode habe ich in einem Forum gelesen, dort wurde es mit unterschiedlichem Erfolg ausprobiert.
Der Stoff wird glatt ausgestrichen und mit einer Lage Frischhaltefolie bedeckt. Darauf kommt eine Lage Backpapier  über die man dann mit etwas Druck und viel Hitze presst.
Das Aufbügeln ist etwas mühsam, man muss tatsächlich recht lange bei hoher Temperatur auf einer Stelle pressen damit die Folie gut aufschmilzt.
Aber: Die Oberfläche ist zwar abwaschbar, aber nicht strapazierfähig. Knitter lassen sich zwar noch ausbügeln, wenn an aber mit dem Fingernagel stärker über die Oberfläche reibt löst sich die Beschichtung. Auch bei der Verwendung meiner Bügelpresse und hohen Temperaturen habe ich keine guten Ergebnisse erzielt.


Fazit: Bei mir hat das nicht funktioniert.
Auch die leicht sichtbaren Knitter nach dem Wenden haben mich gestört.

5.) Lamifix 

Die aufbügelbare Folien gibt es von Freudenberg oder als Heat-N-Bond von amerikanischen Herstellern.
Ich habe das vor Jahren schon probiert und war sehr enttäuscht. Der Stoff wird total steif, die ausgeprägten Knitter vom Wenden gehen nur mit erneutem Bügeln heraus und waschbar ist das auch nicht.
Einsatzzweck: Tischsets vielleicht?
Oder Utensilos die man nicht wenden muss?


Fazit: 

Odicoat ist eine klare Empfehlung, gefolgt vom Wachsblock bei dickeren Stoffen.
Lamifix ist nur bedingt einsetzbar und die Frischhaltefolie hat den Praxistest bei mir nicht bestanden.

Und: Wenn ihr fertig genähte Teile aus Stoff oder Leder schnell und einfach imprägnieren wollt gibt es natürlich auch noch das klassische Imprägnierspray. Aber das kennt ihr ja sicher. :)


Kommentare:

  1. Danke! Sehr informativ. Wenn man nur mal ein Stückchen für ein Badetäschchen braucht ist das Wachsen mit dem Block bestimmt prima , werde ich gerne ausprobieren.
    LG
    Christine

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  2. Ah? Spray geht auch? 😀👍👍 danke!
    Aber das wachsen mit dem Block finde ich schon sehr spannend
    Herzlichst
    yase

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  3. Sehr interessant - danke Dir für diesen tollen Beitrag!
    Mit liebem Gruß
    Regina

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  4. Perfekt, danke. ich habe gerade erst gestern HeatNBond benutzt, aber würde beim nächsten Mal auch anderes nutzen, zumindest wenn ich Taschen habe zum Wenden. Danke für die Tipps - sehr hilfreich.
    Lg. Susanne

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  5. Vielen herzlichen Dank für diese klasse Übersicht! Manchmal ist es ja wirklich so, dass es genau ein ganz bestimmter Stoff sein soll, gut also, wenn man ihn dann noch selbst präparieren kann. LG Christa

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    1. Ja genau, so ist die Qual der Wahl beim abwaschbaren Futter noch größer. Man muss kene Kompromisse mehr machen!

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  6. Ah - da ist der Artikel auf den ich schon gewartet habe. Das ist eine tolle Übersicht. Einen Wachsblock lege ich mir auf jeden Fall mal zu und dieses Odicoat werde ich mal zwecks einer Untersuchung und Ausprobierens bestellen. DANKE Liebe Grüße Ingrid

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    1. Du hast ja im Toilettenbeutel schon gesehen wie toll sich Odicoat anfühlt. Das lohnt sich!

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  7. Schöne Probeserie, vielen Dank! Ich hatte mal in einem Forum gelesen mit selbstklebender Buchfolie zu arbeiten, das wäre auf alle Fälle stabiler als Frischhaltefolie.Probiert habe ich so etwas aber nich nicht und mit dem Wenden sieht es bestimmt auch mau aus.
    HeatNBond steht auf meiner Einkausfliste, aber jetzt zweifele ich.
    viele Grüße Karen

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    1. Es kommt halt immer auf den Einsatzzweck an- wenn du nicht wenden musst kann Heat-N-Bond ok sein. Nur zu sehr geknickt darf es halt nicht werden.
      Bei kleinen Flächen die steif werden können ist auch ganz normale Laminierfolie geeignet! Ich habe früher Kladden mit laminiertem Stoff außen genäht, das geht prima und man hat das eher zur Hand.

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  8. Danke für den Post . Jetzt weis ich auf jeden Fall schon mal was ich auf keinen Fall ausprobieren werde :))
    Liebe Grüße Heidi

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  9. Danke, das ist sehr gut zu wissen! Dann werde ich es mit Wachsen probieren, sofern ich mal wieder eine Tasche nähe, ich mag die Optik. Merkwürdig, dass Lamifix immer noch unverändert verkauft wird - vor ein paar Jahren, als das neu war, wurde das in den Blogs viel ausprobiert, aber es stellte sich schon damals heraus, dass es nicht lange hält.

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    1. Ich habe Stoff mit Lamifix bebügelt und für das Futter einer "Kulturtasche" verwendet. Da ist das jetzt auch schon seit 2008 in Gebrauch. (Sagt mein Blog: http://nowak.blog.hobbyschneiderin24.net/2008/01/21/von-filz-zur-kultur/)

      Daß es nicht lange hält kann ich also nicht sagen. Und es hat auch die eine odere andere "Katastrophe" überstanden, die sich gut wegwischen ließ.

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    2. Prima dass du gut damit zurecht gekommen bist, Marion. Du hast da ja auch alles richtig gemacht- sobald du den laminierten Stoff zum Wenden geknickt hättest hätten sich Falten gebildet wo sich dann der Stoff leichter blasig ablöst. Ich wollte Geldbeutel so nähen und das ist überhaupt nicht gegangen.
      Solange alles schön flach ist gibt es weniger Probleme.

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  10. Perfekt. Wird ausprobiert! Lieben Dank :*
    Und liebe Grüße,
    Sandra

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  11. Danke dafür! Odicoat klingt interessant...Weißt du zufällig mehr über die Zusammensetzung? Online habe ich nichts finden können.
    LG, Bele

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    1. Die Konsistenz ist etwa wie Haargel, Odicoat stinkt nicht auffällig nach Lösungsmitteln. Ich tippe auf einen Silikonanteil, aber genauere Angaben habe ich jetzt auch nicht gefunden.

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  12. Danke für die Zusammenfassung! Das habe ich alles noch nie probiert, aber reizen würde es mich schon. Odicoat. Gemerkt.

    Liebe Grüße!
    Mond

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  13. Ich habe mal gelesen, dass man den Stoff auch mit Silikon beschichten kann,
    einfach mit einem Spachtel ganz dünn auftragen.
    Ich werde sicherlich die Ein oder Andere Technik ausprobieren.
    Vielen Dank für deine Versuche.
    Liebe Grüße
    Nähoma

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    1. Ja , das habe ich auch in einem Blog gefunden- die Autorin hat aber nicht beschrieben wie sie das genau macht. Einen Versuch wäre das sicher wert, vor allem wenn man das Silikon vielleicht noch etwas verdünnen könnte um die dickflüssigere Masse leichter auf dem Stoff zu verteilen.
      Sonst stelle ich mir das mühsam vor weil Silikon ja schon etwas zäher ist.

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  14. Hallo Martina,
    vielen Dank, dass du dich mit den verschiedenen Beschichtungsmethoden beschäftigt hast und uns an deinen Erfahrungen teilhaben lässt. So können wir uns so manches sparen... Die Imprägnierung mit odicoat hat mich sehr überzeugt, als du uns die Anwendung beim Aalener Kurs so ratzfatz demonstriert hast. Tolles Ergebnis!
    Liebe Grüße
    Birgit

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  15. Hallo Martina!
    Danke dir für den hilfreichen Test. Mit Odicoat habe ich schon lange geliebäugelt, hatte jedoch Angst, dass der Stoff zu steif wird. Jetzt werde ich es ausprobieren :-) Du schreibst, dass man 2 Schichten anbringen sollte. Ist dann das Töpfchen für 250ml schnell verbraucht?
    Herzlichen Gruß
    Naoko

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    1. Das kommt natürlich darauf an wie groß dein Stoff ist und wie saugfähig. Aber ich würde mal grob schätzen dass das größere Töpfchen für einiges mehr als 1 qm bei zweimaligem Auftrag reicht.

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  16. Danke für den hoch interessanten Post!!! Habe bisher nur Siggis Methode mit Silikon (Fugenmaterial aus dem Baumarkt) ausprobiert - ging ähnlich wie M.3. und gefiel mir gut. http://faulengraben.blogspot.de/2011/10/schiedbudel-tutorial.html
    LG Jutta

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  17. Stoff auf Glasplatte (z.B. gr. Herdabdeckung)getapt - Silikon aufgetragen - mit dem Spatel sehr dünn verteilt und wieder "abgekratzt" - ein bis zwei Tage trocknen lassen.

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  18. Das ist ein toller Überblick und Vergleich - danke dafür! Wenn ich das so lese, werde ich mal eine Probepackung Odicoat bestellen. Bei der Klarsichtfolie stelle ich mir vor, dass es von der Art des Plastiks abhängt, wie gut es mit dem Stoff ver-schmilzt. Schade, denn mit einer Transferpresse, wie sie gerade als Zusatz zum Schneidplotter en vogue sind, könnte ich mir die Verarbeitung von Klarsichtfolie recht flott vorstellen. Seit ich irgenwann letztes Jahr in einem Outdoor-Forum davon gelesen habe, dass man selbst Stoffe mit Wachs imprägnieren könnte, schwebt mit ein knallgelber Regenmantel/Trenchcoat aus einem alten Kinderzimmer-Vorhang vor (mittelstarker Baumwollstoff vom Schweden). Dafür würde sich das Odicoat sicher toll eignen. Seit einigen Wochen geistert auch selbst gemachter "Butterbrotpapierstoff" als Alternative zu Plastiktüten oder Alufolie für Schulbrote durch die Facebook-Gruppen. lg, Gabi

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  19. Danke für die tolle Übersicht. Heat'n bond habe ich vor Jahren für das Innenfutter in einem Kulturbeutel benutzt. Das hat gut funktioniert, aber nicht so überzeugt, dass ich es noch einmal machen musste. Odicoat habe ich schon hier. Dein Artikel gibt mir jetzt den Schupps, es auch mal zu benutzen. Der Wachsblock reizt mich auch. Danke für die vielen Anregungen und die Einschätzungen. LG Ute

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  20. Ich habe ja das Odicoat-Täschchen schon anfassen können - das ist echt eine feine Methode mit feinem Ergebnis. Aber auch danke fürs Vorstellen der anderen Methoden. Ich habe hier so einige Outdoor-Freaks, denen man für ihre Touren manches wetterfest machen kann.
    Liebe Grüße
    Ines

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